Deep Dark Fears

Tolle kleine Beichten über geheime Ängste in Comic-Form. Solche Leichen haben wir doch alle im Keller, oder? :)

© deep-dark-fears.tumblr.com
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Reihe 7 Platz 88

Tobias Haberl und Daniel Delang haben für die Süddeutsche Zeitung Udo Voigt bei seinem ersten Jahr im Europaparlament nicht nur begleitet und beobachtet, sondern auch ein ziemlich interessantes Portrait über einen Menschen gemacht, den ich nicht mögen muss, aber versuchen muss zu verstehen.

    ↳ Ein Parlamentsmitarbeiter hat die Sitzordnung für den Plenarsaal vorbeigebracht. Jetzt beugen sich alle drüber, suchen Voigt, zitieren Namen, Marine Le Pen, Alessandra Mussolini, Martin Sonneborn, alle sind da, nur Udo nicht. Wo sitzt er bloß? Und neben wem? »Mensch, Udo«, ruft Meenen, »da bist du ja. Ganz rechts außen, das passt.« Und wirklich, Voigt sitzt in der siebten Reihe, Platz 88. Sie lachen. Sie jubeln. Sie können es nicht fassen. 88 – das Symbol für Heil Hitler. Am nächsten Tag schreibt der Titanic-Herausgeber Sonneborn auf Facebook: »Die 700er Plätze sind für die Fraktionslosen und Verhaltensauffälligen reserviert. Udo Voigt sitzt auf Platz 788 – doch ein Spaßparlament.«


Der böse Onkel vom Dixiklo

Zu den Dingen, die ich nicht mögen muss, aber versuchen muss zu verstehen, gehören auch die Böhsen Onkelz und ihre Fans. Der Kiezneurotiker, der mir den Seitenhieb, seinen Text direkt nach dem über Voigt zu bringen hoffentlich verzeiht, mag sie. Ich nicht. Mir ging das ganze Getue schon immer ziemlich auf den Sack und die Fans, die ich kennengelernt hab, sind mir in erster Linie auch durch nerviges Fan-Sein auf den Sack gegangen. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb finde ich den Text von dem Bekloppten aus Berlin so interessant wie gut.

    ↳ Da vorne stehen sie. Die Helden. Da vorne steht der Weidner mit seinem Charisma, von dem ich froh bin, dass er es zur Mäßigung nutzt. Würde er heute vor diesen Hunderttausend den Marsch aufs Kanzleramt oder – ein wenig niedrigschwelliger – aufs nächste Flüchtlingsheim proklamieren und sich gleich an die Spitze setzen, dürfte ihm ziemlich sicher mehr als die Hälfte folgen. Natürlich ist die Vorstellung absurd, doch genau das wird das große Problem sein, sobald sich im tatsächlich rechten Lager einer findet, der das Charisma für so etwas hat und seine Außendarstellung besser managt als wir das kennen. Wir Mehrheitsgesellschaft haben nämlich niemanden mehr, der in Sachen Charisma auch nur an eine Biopastinake heranreicht, um dem Auftauchen eines Anführers von der anderen Seite irgendetwas entgegen zu setzen. Wir sind einfach nur satt, wir sind faul, ritualisiert, routiniert, korrupt in weiten Teilen, wundgetwittert sowieso und so verdammt humorbefreit. Die hier können mit uns nix anfangen. Wir sind für sie die anderen. Mit ihrem Leben haben wir nichts zu tun. Wir können nur noch Keulen schwingen. Erkennen Sie die Melodie?


Warum wir uns noch immer über 30-Millionen-Transfers beschweren sollten – Empört euch!

Das Kind ist zwar schon lange in den Brunnen gefallen, wo es bereits streng riechend… lassen wir das. Natürlich ist es müßig, wenn wir uns über den modernen Fußball als Spielart des Extrem-Kapitalismus aufregen. Aber wenigstens macht es ab und an noch jemand.

    ↳ Wann hat das eigentlich aufgehört, dass uns richtig unwohl wird, wenn ein Fußballer für mehr als 20 Millionen Euro den Verein wechselt? Dass wir uns im Büro an den Kopf greifen, wenn Real Madrid oder Newcastle United mehr Geld für einen Spieler ausgeben, als wir uns vorstellen können? Dass wir danach angeekelt mit unseren Kumpels beim Feierabendbier diesen geisteskranken Wahnsinn besprechen und uns auch dabei fragen, warum wir eine Sportart feiern, in der es größenwahnsinniger zugeht als beim Goldrausch am Klondike River?


If Only Once, If Only For A Little While

Rosemary Valero-O’Connell hat einen tollen Webcomic über die Verlustängste, die einen plagen können, und die Art und Weise, wie wir mit einem richtigen Verlust umgehen, gemacht. Traurig und schön. Sollte man sich in einer ruhigen Minute zu Gemüte führen.

© hirosemary.com
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