Wie und woran merkt man eigentlich, dass das, was man den lieben langen Tag macht, auch wichtig ist? Wobei wir uns vielleicht zuerst darüber verständigen sollten, was wichtig überhaupt bedeutet. Und für wen.

Mein Job ist wichtig. Angeblich. Wem es etwas ausmacht, dass in diversen Tabellen und Datenbanken Dinge stehen, die sich miteinander vertragen und irgendwelchen Regeln entsprechen? Meinem Kunden und meinem Chef. Mein Kunde braucht das, um irgendwas damit zu machen – vermutlich für seine Kunden – und meine Firma hat ein ausgeprägtes Interesse daran, dass der Kunde zahlt, damit wir alle unsere Rechnungen zahlen können. Wir sind ja schließlich auch irgendwo Kunden.

Und so ist alles wichtig, was wir tun, solange nur irgendjemand irgendwas davon hat. Am liebsten Geld. Und wofür? Ein Haufen bezahlter Rechnungen. Wow. Und sonst?

Was bleibt davon am nächsten Tag? Oder in der Woche drauf? Vielleicht nichts, was wirklich greifbar wäre. Glückliche Menschen? Sehe ich jetzt nicht wirklich. Kann natürlich sein, dass der ein oder andere glücklich ist, weil ich dafür gesorgt habe, dass er seine Rechnungen jetzt in gewünschter Höhe an den gewünschten Empfänger zahlt, aber sonst? Keine Ahnung. Datenbanken danken eher selten.

Aber was ist mit anderen Berufen? Sicher gibt es doch welche, die einen nach einem langen Tag nicht einfach nur müde und bedient sein lassen, oder?

Na klar doch, die gibt es. Allerdings dürfen wir uns nicht darüber wundern, wenn auch die uns abends völlig zerstört und ausgelaugt wieder in die Welt spucken, auf dass wir uns irgendwie erholen. Natürlich können wir hinterher auch unsere Rechnungen bezahlen, aber vielleicht bleibt ja noch ein bisschen mehr übrig. Nichts, was wir auf die Bank bringen oder in ein Auto oder eine Wohnung stecken können.

Ein Lächeln und ein ehrlich gemeintes Dankeschön behalten wir für immer. Und eigentlich ist es gar nicht mal so schwer zu kriegen, wenn man erstmal weiß, wie es geht. Manchmal brauchen wir erst selbst ein bisschen Hilfe, bevor wir anderen helfen können.

Und vielleicht brauche ich auch mal wieder Hilfe. Oder einen Schubs…

366 Tage ist ein Kurzfilm von Johannes Friedrich Schiehsl.

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