Wenn Omma ins Internet will, dann ist das eigentlich eine so erfreuliche wie auch löbliche Sache, die die Unterstützung des gesamten „Familie“ genannten Netzwerks erfahren sollte. Nun ist es aber dummerweise so, dass die Großelterngeneration, so sie denn nicht technisch versiert und vorgebildet sind, einer etwas intensiveren Betreuung bedürfen. Die hatten mit dem ganzen Krempel vorher einfach nix am Hut. Das Leben war und ist so ja eigentlich schon kompliziert genug.

Das soll jetzt nicht heißen, dass das nicht machbar wäre. Aus meiner Zeit in der Telefonminen von Moria hab ich noch eine Erinnerung an ein ganz besonderes Gespräch mit einer älteren Dame, laut eigener Aussage jenseits der 80, die sich an der von uns besetzten Hotline meldete.

Ihre Tochter hatte ihr einen Rechner geschenkt und hingestellt. Am Wochenende wollte sie dann vorbei kommen, um sich mit Mutti dran zu setzen und ihr alles zu zeigen. NUr hatte besagte Mutti was dagegen. Sie wollte nämlich erstens nicht so lange warten und zweitens ihre Tochter damit überraschen, dass sie bereits ins Netz kommt.

Wir kamen an die Stelle, an der sie einen Doppelklick machen sollte. Mit der Maus.
– Maus? Was für ne Maus?
– Das kleine Plastikgerät. Handflächengroß, zwei große Tasten. Mit viel Fantasie erinnern die an Mäuseohren. Nur, dass der Schwanz vorne dran ist.
– Oh.
– Oh?
– Jetzt halten Sie mich bitte nicht für verrückt.
– Im Leben nicht.
– Ich hab das Ding unterm Tisch aufm Boden liegen. Ich dachte, dass das ein Pedal ist, wie bei meiner Nähmaschine.
– ?
– Soll ich die mal lieber aufn Tisch tun?
– Ja, das probieren wir mal aus.

15 Minuten später war der Rechner im Netz und sie wusste, wie man das ganze selbst hinkriegt.

Im folgenden Kurzfilm gestaltet sich das nicht nur schwieriger, sondern ungleich folgenschwerer.

Offline ist ein Kurzfilm von Benjamin Lenz und Ian Bawa.

(via filmshortage.com)

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