Dass Menschen verschwinden, während sich eigentlich nur mal kurz Zigaretten holen wollen, ist angesichts immer weniger rauchender Menschen unter uns nicht mehr nur ein ziemlich abgedroschenes Bild, sondern auch eines, das immer seltener glaubhaft zu vermitteln ist. Es holt ja niemand mehr Zigaretten. Ist ja auch bäh.

Wie nun aber konstruiert man sich eine Situation, in der eine unserer beiden Figuren die Wohnung verlässt, um anschließend viel zu lange weg zu bleiben? Was macht man da als aufstrebender Autor der heutigen Zeit? Schreibt man stattdessen „Schatz, ich geh nur noch mal kurz raus und korrigiere die Grammatik von Leuten in der U-Bahn.“? Ernsthaft? Nee, total unglaubwürdig. Heutzutage schicken wir unseren Protagonisten in die nächtliche Ungewissheit, um einen Salat zu besorgen. Keine Pointe.

Hier ergeben sich natürlich mannigfaltige Anschlussmöglichkeiten. Allerdings soll es im heutigen Kurzfilm nicht um die quälenden Gewissensfragen gehen, die einen plagen, wenn man sich das Leid des Salatkopfes vor Augen führt, der für unseren Genuss aus dem Schoße unser aller Mutter Erde gerissen und anschließend gewaschen und zerstückelt wird. Ganz zu schweigen von all dem Kleinstgetier, das bei der rituellen Waschung elendig ersaufen muss.

Nein, die ganz großen Fragen werden ausgeblendet und wir wenden uns dem Profanen zu, den kleinen Fragen des tristen Alltags. Lassen wir uns jetzt auf nen Dreier mit den beiden Damen aus der Hotellobby ein oder warten wir einfach weiter auf unseren Salat?

Manchmal sind es die für jeden nachvollziehbaren Geschichten aus dem ganz normalen Leben, die uns am nächsten gehen.


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The Jane ist ein Kurzfilm von Trevor Williams.

(via filmshortage.com)

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