Hinter der Fassade

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Wir kaufen uns dermaßen viel unnütze Scheiße, dass wir kaum noch hinterherkommen.
Pfandflaschen werfen wir teilweise in den Müll statt sie in den Laden zu bringen, weil sich das für die paar Kröten doch gar nicht lohnt.

Und was wir nicht mehr essen können, weil wir satt sind, lassen wir uns nicht einpacken. Wir lassen es wegwerfen. Wir haben’s ja.

Wir haben ja überhaupt genug von allem.

Ihr habt beispielsweise die Zeit und die Möglichkeit (Computer, Internetzugang…), euch dieses Blog hier anzugucken, dass, wenn wir mal ehrlich sind, pure Zeitverschwendung ist.

Piepen satt. Zeit satt. Und geht’s prächtig.

Das Problem ist nur, dass wir, denen es so toll geht, nicht alleine sind. Draußen wimmelt es von Leuten denen es nicht nur schlechter geht, sondern richtig beschissen. Leute, die sich nicht überlegen, ob sie sich ein neues MacBook Pro kaufen wollen und ob dann der iMac noch bleibt oder verscheuert wird. Leute, die sich nicht überlegen, was sie heute essen, sondern ob sie überhaupt was kriegen und woher.

Und diese Leute sind nicht unsichtbar. Wir blenden sie nur gerne aus. Wir blenden sie aus und ignorieren sie, weil sie uns auf den Sack gehen und uns irritieren, wenn wir mit vollen Taschen durch die Stadt laufen oder wenn wir gar nicht erst von unserem Smartphone aufgucken, wenn wir angesprochen werden.

Ich geb es zu, das da oben trifft in der ein oder anderen Weise auch auf mich zu. Natürlich stumpft man ab, wenn man jede Woche zehn- fünfzehnmal nach nem Euro gefragt wird. Natürlich kann man nicht jedem helfen. Man kommt an den Punkt, wo man selektiert, wo man sich die Leute rauspickt, denen man etwas gibt. Ich versuche, den Leuten was zu geben, die selbst etwas rüberbringen, die sich Mühe geben. Die versuchen, einen freundlich anzusprechen, ohne unverschämt zu sein.

Aber wir können nur den Leuten helfen, die darum bitten oder denen man irgendwie ansieht, dass sie Hilfe brauchen.

Dummerweise gibt es auch die Leute, bei denen nach außen hin alles astrein ist, bei denen man nicht im Traum vermuten würde, das etwas nicht stimmt.

Ja, kann schon sein, dass es seltsam ist, dass die Nachbarin auch im Sommer immer lange Ärmel trägt. Ist halt irgendein Modetick, was weiß denn ich. Dass sie nur ihre immer neuen Blutergüsse nicht zeigen will, ist zu abwegig.

Wer hilft diesen Leuten, die hilflos sind, ohne dass es jemand merkt? Wer hilft denen, die hinter ihrer makellosen Fassade gefangen sind?

Manchmal tut es jemand, dem man nur durch Zufall begegnet. Jemand, den man normalerweise ausblendet, weil man ihn unangenehm findet. Jemand, der selbst ganz unten ist…


A Stranger In My Own Land ist ein Kurzfilm von Thomas Stewart.

Ruhrpottjunge im Rheinland. Gewaltbereiter Pazifist. Entspannter Choleriker. Freund des gepflegten Kurzfilms und sinnvoll aneinandergereihter Buchstaben. Macht den Scheiß hier seit 2001 und denkt nicht daran, es bleiben zu lassen. Warum auch? Ach ja, der Name. Kommt aus dem Spanischen, bedeutet soviel wie "der Faule" und spricht sich el flocho. (Den Link zu Google+ hab ich hier nur drin, um was auszuprobieren...)

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