Deutsch sein

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Ich persönlich bin ja nicht nur Deutscher, sondern wohl auch ziemlich deutsch.
Das muss ich mir nicht nur von der lockeren Übersee-Verwandschaft sagen lassen, sondern höre es auch immer wieder, wenn man sich beispielsweise über meinen Hang zu Planung und Kontrolle mokiert. Bemerkungen darüber halten sich in etwa die Wage mit Bemerkungen über mein so gar nicht deutsches Aussehen und die schon gar nicht so deutschen Gene.

Auch das um mich herum regelmäßig und scheinbar aus dem Nichts auftauchende und seltsamerweise dauernd mit mir in Verbindung gebrachte Chaos will ebenso wie meine selbstgewählte Führerscheinlosigkeit nicht ganz ins Bild des Mittdreißigerüberzeugungswessis passen, der selbst seine Einladungslisten für Geburtstage in Excelsheets packt, um sie im Zweifel auswerten zu können.

Aber was ist denn nun wirklich deutsch? Und wer? Was zeichnet den Deutschen aus? Welche Gemeinsamkeiten ziehen sich durch dieses seltsame Volk, das an Samstagen so lange Schlangen vor Autowaschstraßen produziert?

Hier hilft wie auch schon beim Fensterputzen der Blick von außen. Diesen Blick hat Liv, die aus Australien kommt und lange im wunderschönen Münster gelebt hat.

Auf ihrem Blog hat sie eine Liste veröffentlicht, die zeigt, was sie in ihrer bisherigen Zeit mit und unter uns so über uns Deutsche gelernt hat.

Was soll man sagen? Die Frau hat uns vollkommen durchschaut. Nackt steht der deutsche Volkskörper vor ihrem alles durchdringenden und analytischen Blick.

Wir sind alle schuldig. Es ist alles so wahr.

Kostprobe? Da hasse:

9. They love meat. In all its incarnations.
24. Germans are always prepared for the rain.
31. Germans can always enjoy a hotdog/bratwurst, no matter the time, no matter the place. And they never seem to drip the sauce all over themselves.
38. Germans can drink. And not just write themselves off, vomit in the bath tub at 2am, wedge in a kebab and back it up the following night, a la American/English/Australian binge drinkers … I mean drink. While the rest of the world is vomiting in the bath tub, the Germans are calmly ingesting their 57th shot and washing it down with a beer, their cheeks a little rosy, their eyes a little glazed, but their livers working as smoothly as a German made automobile.
56. Germans do not see a need for conversational subtext. It is a waste of time and Germans do not like wasting time. If you cannot say it as directly as possible, do not say it at all.
60. They can stomach raw meat for breakfast … topped with onion. This alone results in an even deeper respect for the German constitution, on my behalf.
63. Germans worship wurst.
64. Germans extract a curiously large amount of pleasure from the acts of giving, receiving and processing paperwork. They revel in it. Roll in it. Cover themselves with it and inhale the scent of paper.
65. Those who work for the German government seem to … never work at all. It’s like their entire system is efficient enough to work by itself, without humans doing anything except photocopying and stamping things.

Quelle: a-biglife.com/what-i-know-about-germans/

Ja, es ist ein schönes Spiel mit Klischees, die manchmal einfach auf herrliche Art und Weise bestätigt werden.

Und um hier mal ein bisschen zu relativieren:

Nur weil ich von mir selbst behaupte, deutsch zu sein, heißt das noch lange nicht, dass ich denke und handle, wie so mancher vielleicht möchte.

Ich gebe einen Scheiß auf unseren deutschen Papst, Merkel ist nicht meine Kanzlerin und Gauck ganz bestimmt nicht mein Präsident. Mit Leitkultur wisch ich mir morgens den Arsch und von einer Schuld, die ich tragen müsste, weil irgendwelche Arschlöcher meinen Opa damals in den Krieg geschickt haben, hab ich höchstens mal was gelesen.
Ich renne auch nicht fahnenschwenkend nach einem Sieg der Nationalmannschaft durch die Straßen und finde die Fähnchen fürs Auto total affig. (Außerdem macht ihr euren cw-Wert kaputt!)

Und trotzdem halte ich nichts davon, rumzurennen und eben diese Fahnen abzubrechen und mit einem dämlichen Zettel zu ersetzen. Sowas geht mir auf den Sack. Ich tret ja auch nicht deinem Hund in den Bauch, weil er auf den Gehweg geschissen hat und ich reiß auch nicht dein Piercing raus, weil ich denke, dass es beschissen aussieht.

Manche Sachen macht man einfach nicht.

PS: Ich werde nie verstehen, wie jemand stolz darauf sein kann, Deutscher zu sein. Oder Engländer, Franzose oder vom Mond. Was kann man denn dafür? Ich bin ja auch nicht stolz auf Schuhgröße 45! Genausowenig muss ich mich dafür schämen.

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